Siedlungsentwicklung und Wohnungsmarkt

Kornfeld vor der Gropiusstadt in Berlin
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Der landesplanerisch festgelegte Gestaltungsraum Siedlung (der sog. Siedlungsstern) hat sich als Instrument zur geordneten Entwicklung der Siedlungsstrukturen in Berlin und im Berliner Umland bewährt. Siedlungsschwerpunkte im Weiteren Metropolenraum sind die Zentralen Orte.

Die Entwicklung entlang der Siedlungsachsen ist aber nicht nur eine Frage des Wohnungsbaus. Die bereits auf der gemeinsamen Sitzung beider Landesregierungen am 29. Januar 2019 beschlossene konzeptionelle Unterstützung der Städte und Gemeinden entlang der Siedlungsachsen wird in diesem Sinne thematisch erweitert. Bei ihrer Entwicklung müssen viele Themen zusammengedacht werden, die meist der kommunalen Planungshoheit unterliegen. Dazu gehören z. B. Wirtschaftsförderung und Digitalisierung. Städtebauliche Leitbilder schaffen die Grundlage für die Weiterentwicklung und ggf. den Umbau bestehender Siedlungsstrukturen (unter Berücksichtigung der Verringerung der Flächenversiegelung), für die Entwicklung der Innenstädte als zentrale Versorgungsbereiche sowie die lokale Umsetzung von Erforder­nissen des Klimaschutzes und der -anpassung in den Themenbereichen Wärmeversorgung, Mobilität, Siedlungswasserwirtschaft sowie Grün- und Freiflächenentwicklung. Für die Entwicklung der Städte und Gemeinden entlang der Schienenachsen muss diese themen­übergreifende Herangehensweise durch entsprechend ausgerichtete integrierte Stadt- und Regionalentwicklungskonzepte (z. B. durch gemeindeübergreifende Achsenentwicklungs­konzepte) flankiert werden. Zudem sollten bei einer themenübergreifenden Betrachtung die Bezirke von Berlin stets einbezogen werden.

Künftig sollen im Rahmen einer konzeptionell-themenübergreifenden Herangehensweise die Entwicklungen auf den Achsen entlang der Bahnstrecken an geeigneten Standorten über das Berliner Umland hinaus im Sinne von Entwicklungsachsen gedacht werden. Die Strategie zur Entwicklung der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg entlang der Bahnstrecken, die eingebettet sind in breite Entwicklungskorridore, soll das ganze Land Brandenburg umfassen.

Im Rahmen der Strukturentwicklung in der Lausitz kann die Achse von Berlin über den Flughafen Berlin-Brandenburg International (BER) bis in die Lausitz entlang der Görlitzer Bahn das Muster für eine das ganze Land Brandenburg umfassende Raumentwicklung entlang der Bahnstrecken sein. Die Chancen, die sich aus dem Strukturwandel in der Lausitz ergeben, sollen möglichst zum Nutzen des Gesamtraumes Berlin-Brandenburg berücksichtigt werden. Damit könnte bei entsprechender strategischer Planung der finanziell gut ausgestattete Transformationsprozess in der Lausitz auch Nutzen für umliegende Räume generieren.

Berlin und Brandenburg bilden einen gemeinsamen Wohnungsmarkt. Die Sicherung der Wohnraumversorgung und die Begrenzung des Mietenanstiegs sind Schlüsselfaktoren für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. In Berlin, Potsdam und vielen weiteren Gemeinden im Berliner Umland ist die Bevölkerungszahl durch Zuzug in den letzten Jahren – teilweise deutlich – gewachsen. Diese Entwicklung zeigt, dass die Region ökonomisch und kulturell attraktiv ist. Die steigende Bevölkerungszahl hat jedoch auch zu Druck auf dem Wohnungs­markt und zu steigenden Mieten geführt. Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, ist der Neubau von Wohnungen, insbesondere auch mit Mietpreis- und Belegungsbindungen, und die ausgewogene Regulierung der Mieten erforderlich. In Anbetracht des demographischen Wandels ist zudem auch der Bau von mehr barrierefreien Wohnungen unabdingbar. In Berlin und in Brandenburg werden mehr Flächen für den Neubau insbesondere von Mehrfamilien­häusern benötigt. Um den angespannten Wohnungsmarkt in Berlin und dem Berliner Umland zu entlasten, sollen insbesondere auch Städte, die aus Berlin über Schienenverbindungen in einer Fahrzeit von bis zu 60 Minuten erreichbar sind – sog. Städte der 2. Reihe – in den Blick genommen werden. Neue Wohnbaupotentiale sind auch in den mit Infrastruktur besonders gut ausgestatteten weiteren Siedlungsschwerpunkten (den sog. Grundfunktionalen Schwer­punkten) zu erschließen, vorrangig im Zuge der Innenentwicklung im vorhandenen Siedlungsbestand.